Nachgedacht - Dezember 2020 / Januar 2021

Ich fürchte, einigen von Ihnen wird flau bei dem Gedanken an Weihnachten 2020. Sie fragen sich besorgt: Wie wird es werden? Können wir überhaupt Weihnachten feiern unter diesen Bedingungen? Und wenn, dann wie… Das frage ich mich auch. Aber ich glaube zugleich fest daran – wir werden Weihnachten feiern, auch dieses Jahr.

Auch wenn ich in der KV-Arbeitsgruppe zur Planung der Veranstaltungen rund um Weihnachten gerade erlebe, wie schnell unsere Ideen und Konzepte wegen sich ändernder äußerer Bedingungen nicht mehr möglich scheinen und wir alles neu denken müssen. Wir werden Weihnachten feiern, weil Gott uns Menschen beschenkt mit seinem Sohn, den er in die Welt kommen lässt.

Während ich das schreibe, an einem goldenen Herbsttag im November, fühle ich mich auch sehr beschenkt. Denn auch dieses Jahr war für mich Reisen möglich. Ich konnte sogar nach Florenz fahren und dort die Kunstschätze der Museen und Kirchen bestaunen. Ein starkes, wiederkehrendes Motiv war Mariä Verkündigung. Ähnlich in der Darstellung und doch immer anders. Ob als Halbrelief in Stein oder als Mosaik über einem Portal des Doms, als Altargemälde oder als frommes Fresco an der Wand eines Klosters. Gerade habe ich mich wieder durch die schönsten Fotos davon geklickt.

Als Titelbild für Sie habe ich das Fresco von Fra Angelico aus dem Kloster San Marco ausgesucht und zitiere kurz aus meinem Reisetagebuch: „Der Engel hatte so schöne Details an seinem Kleid und Glitzer am Flügel und ein hintergründiges Lächeln. Maria dagegen schaut demütig und leicht verstört.“

Für mich liegt die Schönheit dieses Bildes nicht nur in der Darstellung, wie der Engel zu Maria unter eine offene Loggia tritt, in den anmutigen Gestalten der beiden, sondern in ihren Gesichtszügen, die gleichzeitig vieles offenbaren und ebenso viel offen lassen. Es ist das offen Gelassene, was mich so anspricht. Plötzlich geschieht etwas mit Maria, völlig unerwartet. Man könnte auch sagen: Es bricht über sie herein. Wir wissen aus der Bibel: Sie wird sich trotzdem auf Gottes Willen und Gebot einlassen, aber wir wissen nicht genau, wie sie sich dabei fühlt.

Deswegen sollten wir genauso mutig uns auf das einlassen, was dieses Weihnachten anders sein wird als gewohnt, und auf das, was kommen wird. Fest steht: Gott beschenkt uns. Auch dieses Jahr wollen wir uns daran erinnern und fröhlich und getrost bleiben.

Es grüßt Sie

Elsemarie Schaarschmidt,
Kirchvorsteherin