Nachgedacht - Oktober / November 2021

In unserer Gemeinde – und andernorts ebenso – ist es üblich, dass wir unsrer Verstorbenen gedenken:

Die christlich bestattet wurden, werden am Sonntag im Gottesdienst namentlich benannt. Wir erbitten Gottes Trost für ihre Angehörigen und halten selbst einen Moment inne.

Und am Ewigkeitssonntag denken wir noch einmal an die, die im zu Ende gehenden Kirchenjahr aus unserer Gemeinde verstorben sind, zünden für sie eine Kerze an, beten für ihre Angehörigen, die zu diesem Gottesdienst besonders eingeladen werden.

Weshalb tun wir das? Mindestens aus drei wichtigen Gründen:

  1. Es ist ein Dienst an den Verstorbenen. Wir machen deutlich: Ihr Leben ist einmalig und bedeutsam. Gott hat es ihnen geschenkt und an seinem Anfang – und auch, als es hier auf dieser Welt zum Ziel gekommen ist – gesagt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ Deshalb sollen die Namen der Heimgerufenen auch bei uns nicht ausgelöscht sein.
  2. Es ist ein Dienst an den Angehörigen. Wir wollen ihnen zeigen: „Wir haben euch nicht vergessen. Wir denken an euch und an die, die ihr verloren habt.“

Wie oft erleben sie, dass andere schnell wieder zur Tagesordnung übergehen! Für sie aber ist die Trauer noch längst nicht „erledigt“. Sie brauchen einen Ort, wo Trauer, Schmerz und Erinnerung ihren Platz haben dürfen – gerade, damit sie auch wieder für Trost ansprechbar werden.

  1. Es ist ein Dienst an uns selbst. Das Gedenken an die Verstorbenen ist zugleich „memento mori“: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden!“ bittet der Beter des 90. Psalms. Das macht uns aufmerksam: Wir alle sind Menschen, deren Leben hier auf der Welt einmal endet.

Doch dabei – und davon predigt der Ewigkeitssonntag auch und vor allem! – brauchen wir nicht stehen zu bleiben: Jesus Christus hat uns neues Leben verheißen in Gottes neuer Welt. Er hat es mit seinem Ostersieg für uns errungen. In der Taufe hat er es uns geschenkt. Deshalb ist das Gedenken an die Verstorbenen zugleich ein hoffnungsvoller Ausblick auf den Neuanfang, den Gott macht.

Gabriele Führer