Nachgedacht - Oktober / November 2020

„Bunt sind schon die Wälder“ ist für mich eines der schönsten Herbstgedichte:

„Bunt sind schon die Wälder / gelb die Stoppelfelder / und der Herbst beginnt. / Rote Blätter fallen; / graue Nebel wallen, / kühler weht der Wind.“

Das Lied habe ich zuerst in einer Version des Liedermachers Hannes Wader kennengelernt. Der Text wurde aber bereits 1782 durch den Schweizer Dichter Johann Gaudenz von Salis-Seewis geschrieben.

Wehmut schwingt in den Zeilen mit. Der Sommer mit seiner Wärme, als alles grünte und blühte und das Leben in vollem Saft stand, ist vorbei. Die warme Sommerluft muss der kühlen Luft des Herbstes weichen. Auch wenn ein goldener Oktober manchmal noch warme Tage verspricht. In den bunten Blättern der Bäume kann ich noch die grünen Blätter des Sommers ahnen. Aber die Felder sind abgeerntet und liegen leer und verlassen da.

Aber nicht nur Wehmut über den Verlust von Vergangenem ist mit dem Herbst verbunden.

Kinder können auf abgeernteten Feldern wieder fröhlich ihre Drachen steigen lassen. Das Korn der Felder wurde in die Scheuer gefahren. Dies ist ein wahrer Grund zur Freude.

Schon die Israeliten wurden aufgefordert, ein Fest zu feiern, „wenn du den Ertrag deiner Arbeit eingesammelt hast vom Felde“ (2. Mose 23, 16). Dieses Fest ist ein Fest der Freude: „Du sollst fröhlich sein in deinem Fest“ (5. Mose 16, 14).

Das können wir auch dieses Jahr wieder so halten, wenn wir Erntedank feiern. „Flinke Träger springen, / und die Mädchen singen, / alles jubelt froh! / Bunte Bänder schweben / zwischen hohen Reben / auf dem Hut von Stroh“, so wird die Freude in dem Herbstgedicht beschrieben. Es ist ein Grund zur Freude und Grund, Gott dankbar zu sein, dass alle von der Ernte satt werden können. Denn es ist genug da, dass auch anderen davon abgegeben werden kann. Wenn dann noch weniger dieser guten Gaben verschwendet werden, ist dies ein doppelter Grund zur Freude.

Stefan Hirschberg

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