Nachgedacht - August/September 2020

Es klingelt. Eine Freundin steht draußen – mit etwas Schwerem im Arm. „Ich bringe dir einen Engel. Ich habe gemeint, du hast einen nötig.“

Ich bin sprachlos. (Das passiert mir selten.)

Da steht er da im geflickten Mantel, die Schiebermütze keck in der Stirn. Nicht, wie man sich gewöhnlich einen Engel vorstellt.

Weshalb sie ihn gerade so geformt hat, hat eine Geschichte: Vor einer Weile ist in einer Stadt ein Obdachloser gestorben. Zu seiner Beerdigung kamen viele Leute. Auch etliche reiche, die ihm öfter Geld gegeben hatten. Er war stadtbekannt. Nicht wegen des Geldes, das er bekam.

Sondern, weil er dem Engel so ähnlich sah:

Mit Händen – frei von jeder Unruhe. Die eine Gabe nicht zurückweisen. Und nicht die typische Bewegung machen für den ungeduldigen Blick auf die Armbanduhr.

Mit lauschenden Ohren, die aufmerksam sind für das, was ihnen anvertraut oder auch nur im Vorübergehen zugerufen wird.

Mit großen, leeren Taschen, die wahre Wunder wirken: Sie wecken beim anderen die Güte. Und in ihnen lassen sich ganze Sorgenbündel versenken.

Mit Augen, die einen direkten Draht zum Himmel zu haben scheinen.

Unter den großen Knöpfen ist ein großes Herz. Aus dem kommt der Zuspruch. Und die Fürsprache. 

Manchmal klingelt es. Unvermutet kommt ein Engel. Gerade, als wir ihn dringend brauchen. Es macht nichts, wenn uns erst einmal die Worte fehlen.

Gabriele Führer

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