Ein Wort zum Sonntag Miserikordias Domini 2020

Christus hat gelitten für euch
und euch ein Vorbild hinterlassen,
dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen;…
der, als er geschmäht wurde,
die Schmähungen nicht erwiderte,
nicht drohte, als er litt,
es aber dem anheim stellte, der gerecht richtet;
der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat
an seinem Leibe auf das Holz,
damit wir, der Sünde abgestorben,
der Gerechtigkeit leben.
Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.
Denn ihr wart wie die irrenden Schafe;
aber ihr seid nun bekehrt
zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

1. Petrus 2, 21 b – 25 i.A.

Im Sommer waren zwei Kinder mit mir an der See. Wie herrlich der Strand mit Sand und Wasser und seinen unzähligen Möglichkeiten zu spielen! Die Vier- und der Sechsjährige  hatten sofort Ideen: Da musste das Haus für den Fischer gebaut werden – mit Garten natürlich! Oder sie warfen Sandbälle möglichst weit in die Wellen. Oder trugen angespülte Quallen zurück ins Wasser. Oder malten große Herzen in den Sand… 

Und fein war, in Spuren zu treten, die ein anderer hinterlassen hatte! Die Abdrücke der Kinderfüße wirkten winzig in den viel größeren Männerspuren. Lustig stakten sie und versuchten, mit den Schritten des „Vorläufers“ mithalten zu können. Aber bald wurde das anstrengend: Die Schritte des anderen waren mal länger, mal kürzer, so dass es schwer war, Balance zu halten. Einmal waren sie stehen geblieben – und die „Nachfolger“ gerieten aus dem Takt. Dann führten sie dorthin, wohin wir nicht gehen wollten…  Ein kindliches Spiel. Als die Kinder seiner überdrüssig waren, hörten sie einfach damit auf – und fanden ein neues.

Ein kindliches Spiel?  Weshalb fordert der Briefschreiber dann gerade dazu auf? Christus hat ein Vorbild hinterlassen – und wir sollen seinen Fußtapfen folgen. So steht es da.

Wenn wir diese Spuren anschauen, merken wir: Sie sind sehr groß: Jesus, schreibt der Absender, hat für uns gelitten. Nicht zurückgeschimpft, als er beleidigt wurde. Denen, unter denen er litt, nichts Böses an den Hals gewünscht. Die Sünden an-derer ans Kreuz getragen.
Wer von uns kann das – in diesen Spuren laufen mit den eigenen, zu kleinen Füßen? Noch schneller als die Kinder geraten wir aus dem Takt…
Wenn sich „Nachfolge“ so schwierig gestaltet – dürfen wir sie dann sein lassen und uns ein anderes „Spiel“ ausdenken? -
Da merke ich: So hat es der Schreiber ja gar nicht gemeint - und der Spurenleger Christus erst recht nicht: dass wir genau in seine Fußtapfen treten und genau dieselben Schritte tun sollen wie er! Denn das kann ja kaum gelingen!
Er hat wohl eher sagen wollen: Die Spuren geben eine Richtung vor – aus dem Unrecht in die Gerechtigkeit. Aus der Verletzung in die Heilung. Aus der Verirrung und Verzweiflung in die Gegenwart und Geborgenheit des Hüters, der sich unser annimmt.
Nachfolge ist dann nicht mehr der in jedem Fall misslingende Versuch, genau wie Jesus sein zu wollen. Sondern sie ist der Weg, der sich an seinen Spuren orientiert.
Wie könnte das gehen? – Mir gefallen die Ideen der Kinder:
Etwas Schönes zu „bauen“ - derzeit ein kleines Zeichen, das dem anderen zeigt: „Du bist in meinen Gedanken, in meinem Gebet zuhause.“ – und das mit einem ´Garten` aus Güte und Weitherzigkeit, wo du durchatmen, aufleben kannst.“
Oder etwas weit weg zu werfen – Gewohnheiten, die einengen; Dinge, von denen wir jetzt merken, dass sie sich über-lebt haben; „Befindlichkeiten“, die andere lähmen…
Oder jemandem zu Hilfe zu eilen, der in Not ist – indem wir nicht wegschauen, sondern uns ein Herz und mit den Hän-den zu – fassen…
Oder „große Herzen zu malen“ – aus Unvoreingenommen-heit; einem kritischen, aber fairen Geist; aus „herzlicher Liebe unter uns allen“…

Manchmal – das erleben wir gerade - führen die Spuren uns so, wie wir eigentlich nicht gehen wollen. Aber sie führen dorthin, wo Gerechtigkeit, innere Heilung, Geborgenheit… zu finden sind. Und vor allem der Hirte/ das Vorbild selbst 

Pfarrerin Gabriele Führer


Auf Facebook finden Sie ein Video zur Andacht.

 


Wir beten mit Worten des 23. Psalms: 

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. 

 

Hoffnung

Wenn schon die Illusionen bei den Menschen
eine so große Macht haben,
dass sie das Leben in Gang halten können –
wie groß ist dann erst die Macht,
die eine begründete Hoffnung hat?
Deshalb ist es keine Schande, zu hoffen,
grenzenlos zu hoffen!

Dietrich Bonhoeffer

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