Ein Wort zu Ostern 2020

 

Maria stand draußen vor dem Grab und weinte.
Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab
und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen,
wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten.
Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du?
Sie spricht zu ihnen:
Sie haben meinen Herrn weggenommen,
und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Und als sie das sagte, wandte sie sich um
und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.
Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du?
Wen suchst du?
Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm:
Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir,
wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.
Spricht Jesus zu ihr: Maria!
Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni!,
das heißt: Meister!
Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern:
Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

(Johannes 20, 11ff.)

In diesem Jahr geht es zu Ostern eher verhalten zu: Die Glocken läuten, ja. Aber Gottesdienste mit Liedern, Orgel, Posaunen können wir nicht feiern. Johannes´ Ostergeschichte passt dazu: Sie ist eher leise:

1) Maria am Grab

Maria Magdalena steht am Grab Jesu. Sie trauert – ausgesetzt der Wucht des Todes, der viele grausame Spielarten hat. Der rat- und hilflos macht… Etliche haben das erlebt: an Sterbebetten, in der plötzlich still gewordenen Wohnung, in den schlimmen Nachrichten aus aller Welt, in der Unruhe dieser von Corona geprägten Zeit, im leer gewordenen Herzen … „Wie soll es weitergehen?“ fragt Maria, fragen wir.
Maria beugt sich hinunter zum Grab. Ihr gebeugter Körper bringt zur Sprache, wie es in ihr aussieht… 

2) Maria und die Engel

Maria schaut dorthin, wohin sie Jesus gelegt hatten. Sein Platz im Grab ist leer. Sie erschrickt: „Jemand hat Jesus weg-genommen! Nun bleibt mir nicht mal ein Ort zum Trauern!“
„Warum weinst du?“  Freundlich wird Maria angesprochen. Sie sieht Engel, wo sie Jesus gesucht hat. Noch ahnt sie nichts von seiner Auferstehung. Doch dass die beiden sie an-reden, ihre Tränen zulassen, mit Engelsgeduld warten, bis sie Worte findet – das hat viel Tröstliches.
Sind Sie schon solchen Engeln begegnet? Die Sie anreden? Die da sind? Die gerade jetzt helfen? Sie nehmen unsern Schmerz nicht einfach weg. Aber wenn wir unsere Sprache wieder finden, ist viel geschehen!

3) Maria und Jesus

Mit Maria ist etwas geschehen. Sie hebt den Kopf. Merkt: Da ist noch jemand: Jesus.
Sie erkennt ihn nicht. Offenbar ist der Auferstandene, ist das Leben aus Trauer und Schmerz heraus nicht so einfach zu finden… 

4) Die Wendung

„Maria!“ Ein Wort – sein Wort wendet die Situation. Der leben-dige Jesus muss es aussprechen: den Namen, unseren Namen. 
Das ist die Osterbotschaft: Er spricht ihn aus! – „Maria!“ Das ist der Name, der der weinenden Frau dort am Grab gilt. „Maria“ – das ist der Name, der jedem weinenden Menschen gilt. Es ist in dieser Ostergeschichte der Name eines/ einer jeden von uns. Auch dein Name, auch meiner. Ausgesprochen von dem, der den Tod hinter sich gelassen hat, der lebt und nicht mehr stirbt: Beim Namen gerufen. Die leisen, liebevollen Lebensworte gehen am tiefsten. Und säen dort den Osterglauben.
„Rabbuni!“ Mehr weiß Maria nicht zu sagen. Doch es genügt. In dieses eine Wort legt sie alles hinein: „Meine Hoffnung und meine Freude!“

Diese Geschichte bietet keine Erklärung für Jesu Auferstehung – weder für Maria noch für uns. Doch: Entscheidend ist die neue Gewissheit, die Maria in sich trägt. Sie hat Jesus neu gefunden, weil er sie beim Namen gerufen hat. Sie lebt, weil er ihr das Leben neu geschenkt hat. Sie kann vom Grab weggehen, weil Jesus ihr einen neuen Weg gezeigt hat. 

Uns allen wünsche ich, dass wir auch diese Erfahrung mit Maria teilen – dass wir gewiss sein können: „Jesus lebt! Er hat uns bei unserem Namen gerufen. Er wird uns Wege zei-gen, die wir gehen können, Wege aus der Krise, Wege, die ins Leben führen…“ Denn das ist Ostern! Auch, wenn wir´s diesmal leiser feiern als sonst.

Pfarrerin Gabriele Führer

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