Ein Wort zum Sonntag Judica 2020

Gott, schaffe mir Recht
und führe meine Sache wider das unheilige Volk
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich drängt?

Sende dein Licht und deine Wahrheit,
dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg
und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes,
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Psalm 43 (Wochenpsalm)

„Gott, schaffe mir Recht!“ Da ist einer am Klagen. Ihn quält Bedrängnis. Er beschwert sich, dass Gott nicht eingreift. Der hätte doch die Stärke dazu! - Er fühlt sich nicht nur von Gott verlassen, sondern sogar verstoßen! Er versteht nicht, warum Gott sich scheinbar nicht rührt.

Können wir die Klage nachvollziehen? Empfinden wir nicht auch Bedrängnis?
Bei uns sind nicht Menschen die „Feinde“, sondern eine Krankheit, die wir nicht greifen können, deren „wunden Punkt“ wir noch nicht kennen und der wir deshalb vergleichsweise schutzlos ausgeliefert sind.
Es kommen weitere Fragen hinzu, die uns auf der Seele liegen: Wie werden die gesundheitlich nicht so Starken diese Zeit überstehen? Wie werden die Angestellten verkraften, dass sie in Kurzarbeit geschickt werden? Wie geht es den Kindern, deren Eltern dem „homeschooling“ nicht gewachsen sind? Wie werden wir den Betrieb, die Gemeinde wirtschaftlich durch die Krise bringen? – Sie können bestimmt die Reihe fortsetzen…
Und wo ist Gott? Warum greift er nicht ein? Warum lässt er zu, dass ein Virus die Welt aus den Fugen bringt?
Auf diese Frage finden wir – wie der Beter – keine, auf jeden Fall keine schnelle Antwort.

Das Merkwürdige ist: Den Gott, den er verklagt, fordert der Beter als Rechtsbeistand heraus: „Verhilf mir zu meinem Recht!“ Und hat davon genaue Vorstellungen: „Ich brauche dein Licht, das mich leitet. Und deine Wahrheit – das ist: deine Treue, auf die ich unbeirrt vertrauen kann. Sie sollen mich in deine Nähe bringen. Dorthin, wo ich dich wiederfinde. Und sie sollen mich durch diese angestemmte Zeit führen – bis ich endlich wieder durchatmen kann. Bis die Not überwunden ist. Bis mir wieder ein Danklied aus dem Herzen und über die Lippen kommt!“
Derselbe Gott, dem wir ungeschützt unsere Klagen hinwerfen können – derselbe Gott ist es, dessen verlässliche Hilfe wir herausfordern dürfen. Den wir angehen dürfen um Erleuchtung im Dschungel der fast täglich wechselnden Verlautbarungen. Um Weisheit, welche Entscheidungen im Moment die richtigen sind. Um Weitblick dafür, was wir planen und las-sen sollen. „Sende dein Licht und deine Wahrheit!“

Sein Gespräch mit Gott führt den Beter in die Zwiesprache mit sich selbst: „Komm, verlier´ dich nicht in Unruhe und Sorgen! Im Grunde weißt du: Auf Gott ist Verlass. Er ist dein Freund! Du wirst dich daran erinnern, wenn die Krise über-wunden sein wird.“
Das ist keine Selbstbeschwichtigung. Dazu ist der Beter zu ehrlich. Es ist eine Selbstvergewisserung – gespeist aus Erfahrungen.

Was können wir für uns aus diesem Psalm nehmen?
Für mich sind da

  • der Mut, Gott nicht zu verschonen mit dem, was uns schwer auf der Seele liegt,
  • das Vertrauen, dass Gott verlässlich ist und hilft,
  • und die Zuversicht, dass Gott uns in dieser schwierigen Zeit und durch sie hindurch führt.

Pfarrerin Gabriele Führer


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