Nachgedacht - Oktober / November 2019

Liebe Leserin, lieber Leser, 

gedanklich möchte ich Sie auf einen Ausflug mitnehmen, den meine Frau und ich im Sommer gemacht haben. Wir besuchten die im kroatischen Poreč gelegene Euphrasius-Basilika, die bereits im 6. Jahrhundert errichtet und danach kaum verändert wurde.

Tritt man durch das Eingangstor, geht man unter einem Fresko hindurch, in dessen Zentrum Christus abgebildet ist, umrahmt vom lateinischen Text Ego sum ostium per me si quis introierit salvabitur.“ – „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden“ (Johannes 10,9).

Nicht nur die byzantinische Euphrasius-Basilika bietet viele interessante Details, besonders berührend fanden wir die freigelegten Fußbodenmosaike des frühchristlichen Versammlungsraums, der sich an dieser Stelle befand. Das Christentum kam bereits in den ersten Jahrhunderten nach Christi Tod nach Poreč. Der Speisesaal eines römischen Hauses diente als erster Versammlungsort der christlichen Gemeinde. Mauro, der erste Bischof von Poreč, wurde zur Zeit der Christenverfolgung getötet und wird als Heiliger verehrt. Er ist der Schutzpatron der Stadt Poreč und der Diözese. Aus der Zeit der ersten christlichen Gemeinde sind Fragmente von Fußbodenmosaiken erhalten, die unter anderem den Fisch als Christussymbol enthalten. Für uns war es ein bewegender Moment, mit diesen Zeugnissen einer frühchristlichen Gemeinde direkt konfrontiert zu werden.

Für mich war es „beruhigend“, vor Augen geführt zu bekommen, dass unser christlicher Glaube seit 2.000 Jahren in der Welt ist! Daran konnten weder die Christenverfolgung im Römischen Reich noch die Versuche in jüngster Vergangenheit, den christlichen Glauben zu verdrängen, etwas ändern. Das macht mich zuversichtlich, dass auch heutige Herausforderungen, wie zum Beispiel die Strukturdebatte unserer Landeskirche, daran nichts ändern werden. Sicher werden wir uns von liebgewordenen Gewohnheiten trennen müssen, aber unser Glaube wird fortbestehen! In diesem Zusammenhang lohnt es sich, den zitierten Vers aus dem Johannesevangelium ganz zu lesen: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden.“

In diesem Sinne lade ich Sie ein, auch durch die Türen unserer beiden Gotteshäuser möglichst häufig ein und auszugehen, um „Weide“ zu finden.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich

Stefan Schulze

Vorsitzender des Kirchenvorstandes

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