Nachgedacht - Juni/Juli 2019

Unsere Namen. Haben wir es immer gern, wenn wir bei diesen genannt werden? 

Die Angestellte in der Werkstatt, nachdem sie im Computer den Namen zur entsprechenden Autonummer gefunden hat, hängt ihn an jeden ihrer Sätze an. Antrainierte Höflichkeit, die peinlich ist. Die Frau hinter dem Schalter und ich kennen einander nicht und haben auch kein Interesse an einer persönlichen Bekanntschaft. Trotzdem muss sie so tun, als wäre ihr an mir gelegen. Mir würde genügen, wenn sie die Reparatur des kaputten Autos schnell in die Wege leitete.

Ich bekomme Post. Die Lotterie schreibt, dass sie das Los mit dem Hauptgewinn „eigens für Sie!“ – dann kommt mein Name – aufbewahrt hat. Ich muss bloß einen gewissen Betrag überweisen.
Die Drogerie preist die Vorzüge ihrer „Payback-Karte“. Doch sie will nur meines Namens habhaft werden. Wenn sie weiß, welches Duschbad und Katzenfutter ich bevorzuge, kann sie ihre Werbung gezielter an mich loswerden.

„Ich kenne deinen Namen; du bist mein!“ Vereinnahmt. Einkassiert. Mein Name – ein Mittel zur Steigerung des Gewinns. Das ist unangenehm. Ich fürchte mich. 

„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.“ Doch, oft ist es schön, den eigenen Namen zu hören! Wenn die Stimme, die ihn ruft, vertraut ist. Wenn sie ehrliche Nähe verrät. Wenn Ermutigung in ihr mitschwingt. Wenn sie verbissene Situationen entkrampft. Wenn sie Freundschaft, Zärtlichkeit, Liebe atmet. Dann gibt es nichts Besseres zu hören!

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.

Gott hat uns zärtlich beim Namen gerufen, als er uns geschaffen hat.

Er hat uns liebevoll beim Namen genannt, als er in der Taufe sein Ja zu uns gesprochen hat.

Er nennt uns beim Namen, während er den Weg mit uns geht. Und wenn es hier auf dieser Welt niemand mehr tut, wird er wieder sagen:

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“

Und immer heißt dieser Ruf Leben. 

Gabriele Führer