Nachgedacht - Mai 2020

„Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ (2. Korinther 3,17)

Derzeit sind wir in vielem eingeschränkt: Wir müssen Regeln beachten, wenn wir außer Haus gehen. Es gibt Auflagen für Gottesdienste. Wo auch andere Menschen sind, grenzen wir uns durch Schutzmasken voneinander ab.

Kontakte per Video haben den Rahmen eines Laptopbildschirms. Wir können nicht verreisen… Wir sind in unseren (allzu?) selbstverständlichen Freiheiten beschnitten. Unfrei. Selbst das Lied „Die Gedanken sind frei“ ist unzutreffend. Denn die sind belagert von Ängsten: Um gefährdete Menschen, die uns am Herzen liegen. Um Familien, die dem ständigen Beieinandersein nicht gewachsen sind. Um die, die vereinsamen. Um die, deren Arbeit auf dem Spiel steht oder für deren Alltag das Kurzarbeitergeld nicht reicht. Um Fragen, die durch „Corona“ fatal aus dem Blick geraten… Die Gedanken – unfrei. Ist dann der göttliche Geist nicht bei uns? 

Wenn wir so dächten, hieße das: Gottes Geist ist auf unsere „Vorarbeit“ angewiesen. Wir müssten die Bedingungen schaffen, damit er zur Entfaltung kommen kann. Aber es ist gerade umgekehrt: Gottes Geist bewirkt Freiheit. Wo er weht, schafft er die Bedingungen dafür. 

Ist das nicht (allzu?) leicht daher gesagt? Ist es gedeckt durch Erfahrungen, die das erweisen? 

Mir fallen Optionen ein, für die wir uns frei entscheiden können. Wir haben die Möglichkeit,

  • die Beschränkungen zu verstehen als Maßnahmen, die uns und andere schützen vor der Gefahr der Krankheit, 
  • unsere Entscheidungen – z.B., ob/ wie wir Gottesdienst feiern – so zutreffen, dass wir sie vor Gott und den Menschen verantworten können, 
  • nicht alle Rechte auszuschöpfen,
  • über Barrieren hinweg Menschen unsere innere Verbundenheit zu zeigen,
  • achtsam zu sein für andere Menschen und Probleme, die nicht nur unsere sind,
  • Gott drängend in den Ohren zu liegen, damit er hilft,
  • zu erkunden, was diese Zeit uns vielleicht lehren kann,
  • aufmerksam und dankbar zu sein, welche Phantasie Gott walten lässt, um uns gütig zu begegnen…

„Wo der Geist des Herrn ist…“ In diesem Sinne ein gutes, Geist-erfülltes Pfingstfest!

Gabriele Führer