Nachgedacht - April / Mai 2019

„En åben dør som ingen kan lukke“ – eine offene Tür, die niemand schließen kann. Der Titel eines Buches, das ich in Dänemark in einer Buchhandlung entdeckt habe.

Auf dem Buchdeckel ist das Bild einer Kirchentür zu sehen, die aus altem, schwerem Holz besteht. Die Tür steht weit offen. Durch diese Türöffnung scheint Licht in einen dunklen Kirchenraum. Es ist ein Buch, das sich mit der modernen dänischen Kirchenkunst beschäftigt. Es zeigt viele Bilder aus Kirchen in ganz Dänemark. Auch wer kein dänisch lesen kann, hat auf diese Weise etwas von dem Buch. Manche neu gestalteten Altäre und Kircheninnenräume gefallen auf den ersten Blick, andere lassen einen zuerst ratlos zurück.

Vielen ging es mit der Bemalung der Orgel in der Schloßkirche so. Die Farben blau und rot, die man vom Kirchenschiff aus deutlich sehen kann, irritierten viele. Die Bemalung wirkte zu modern in der Schloßkirche. Die Erklärung, dass es sich bei den Farben um die traditionellen Marienfarben handelt und die Schloßkirche früher Maria geweiht war, half oft. Danach konnten viele die Farben auf der Orgel in die Schloßkirche einordnen. Das Buch gibt einem eine Vorstellung davon, wie Kunst heutzutage eine Kirche gestalten kann.

Ich habe das Buch aber auch gekauft wegen des Bildes auf dem Buchdeckel. Licht fällt durch eine offene Tür in einen dunklen Raum und erleuchtet ihn so.

Als ich das Buch in der Buchhandlung in der Hand hielt, ist mir eine Selbstaussage Jesu wieder eingefallen. Die Gedanken gehen manchmal ja seltsame Wege. In einer Kirche, die ich kurz vorher besucht hatte, lag auf dem Altar eine aufgeschlagene Bibel. Ich konnte an sie herantreten. Zwei Seiten aus dem Johannes-Evangelium konnte ich erkennen.

„Jeg er Døren“ – ich bin die Tür, dieser Satzteil war durch Fettdruck hervorgehoben. Es ist eine der weniger bekannten Ich-bin-Aussagen Jesu im Johannes-Evangelium. Wer durch diese Tür geht, wird selig werden, steht dort weiter. Wie auf dem Bild auf dem Buchdeckel fällt Licht auf mein Leben, wenn ich durch diese Tür gehe. Eine Tür, die Ostern ganz weit aufgestoßen wurde. Eine Tür, die niemand mehr schließen kann.

So wünsche ich uns allen ein lichtes und helles Osterfest.

Stefan Hirschberg

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