Nachgedacht - Februar/März 2019

 „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, lautet ein alter Fastnachtsschlager. Das will besagen: Die nachweihnachtliche Völlerei ist zu Ende – es beginnt die Fastenzeit. 

Fasten verbinden viele Menschen mit Enthaltsamkeit: „Auf was verzichtest du in den sieben Wochen vor Ostern?“ Diese Frage verwechselt jedoch die Begleiterscheinung des Fastens mit seinem Inhalt und Ziel.

Der Kehrvers des Wochenpsalms, der dem Sonntag vor der Fastenzeit, Estomihi, seinen Namen gab, lautet: „Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest.“ (Psalm 31, Vers 3). Das Bild vom Felsen und von der Burg zielt auf etwas Beständiges, Festes ab, wörtlich: auf ein befestigtes Haus. Ein Haus, das mir Schutz und Sicherheit bietet, in das ich mich bergen und woran ich mich festmachen kann. 

Die wörtliche Ähnlichkeit von „festigen“ und „fasten“ ist kein Zufall: Das Wort „fasten“ stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet soviel wie „festhalten“, „bewachen“, „beachten“. 

Mit Blick auf die gewöhnliche Fastenpraxis lautet die Frage daher nicht mehr im Sinne des bloßen Verzichts: „Wovon fastest du?“ Sondern im positiven Sinne der Konzentration: „Wo-für fastest du?“ Was willst du in deinem Leben festmachen und bewachen, bekräftigen und besonders beachten? 

Die Antwort könnte dann lauten: „Ich möchte meine Gesundheit stärken.“ Dann werde ich natürlich auch bewusster auf meine Ernährung achten. Oder die Antwort lautet: „Ich möchte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.“ Daher werde ich an meinem täglichen Fernsehkonsum etwas ändern. Vielleicht heißt die Antwort aber auch: „Ich möchte meine Beziehung zu Gott festigen.“ Dann nehme ich mir ganz bewusst Zeit, um täglich ein wenig in der Bibel zu lesen, zu beten und den sonntäglichen Gottesdienst zu feiern. 

Esto mihi, sei mir ein fester Halt. Einen festen Halt suchen für Körper, Seele und Geist: Wer darauf besonders achtet, wird merken, dass recht verstandenes Fasten guttut – und das nicht nur in den sieben Wochen der Fastenzeit.

Frank Manneschmidt


Bildnachweis: Burg Rheinstein am Rhein, Frank  Manneschmidt

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok