Nachgedacht - Oktober/November 2018

Es ist böse Zeit“, heißt es an einer Stelle im Epheserbrief. Die Diagnose scheint uns in diesen Wochen zu treffen: Zeit, in der die Ungewissheit immer mehr zunimmt. Zeit, in der Leute oft nur noch mit ihresgleichen reden. Zeit, in der Ärger und Wut immer mehr das Wort führen.

„Es ist böse Zeit.“ Aber was kann ich tun? Mancher wehrt ab, was ihn bedrückt, und wird selbst zornig. Andere resignieren und ziehen sich zurück.

Im Epheserbrief wird zu einer besonderen Konsequenz geraten: „Seht sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit.“ (Epheser 5,15 f)

„Kauft die Zeit aus!“ Was soll das sein? Man könnte denken: Nutzt die Zeit aus! Eine ökonomische Betrachtungsweise: Optimierung der Produktivität. Viele Menschen haben das ja bis in die Freizeit verinnerlicht. Aus dem Urlaub, aus jedem Feierabend soll möglichst viel für sich „herausgeholt“ werden. Wenn die Zeit schon böse ist…

Aber ein genauer Blick in den Vers verrät anderes. Zweimal steht in Luthers Übersetzung das Wort „Zeit“. Griechisch sind es zwei Worte. Einmal: „Kairos“, das mit „Zeitpunkt“ zu übersetzen ist. Und einmal: „Tage“. Wörtlich also: „Kauft den Zeitpunkt aus, denn die Tage sind böse.“

Die Zeit wird hier wie ein gemischter Haufen verstanden. Viel Schwieriges,  Frustrierendes, sogar Gefährliches steckt darin. Aber mittendrin gibt es immer kostbare Momente, Perlen sozusagen. Und die sollen wir finden und aus dem Ramsch „heraus kaufen“.

Denken Sie noch einmal an die letzten Wochen… Viel Ramsch dabei? Aber vielleicht auch zwei oder drei Momente, von denen Sie sagen: Das waren richtige Perlen.

Vermutlich nicht die Momente, in denen Sie effektiv geplant und gearbeitet haben. Vielleicht Begegnungen, die Gott Ihnen geschenkt hat… Vielleicht die Momente, wo Sie es geschafft haben, Ihre Ansprüche einmal loszulassen…

Weisheit des Epheserbriefs für ein Leben im Glauben: Achte in der Menge an Tagen und in der verlaufenden Zeit auf die besonderen Momente, in denen Dir das Wesentliche begegnet.

Dass Sie solche Perlen entdecken, Augen dafür haben und ein Herz – im Persönlichen, in der Gemeinde, im Beruf. Das wünscht Ihnen

Ihr Christoph Herbst


Bildnachweis: Elsemarie Schaarschmidt

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