Nachgedacht - August/September 2018

Eigentlich wollten wir nur die alte Mühle anschauen. Doch als wir dort eintrafen, gerieten wir mitten in eine Vernissage. Der Galerist sprach mit salbungsvollen Worten über die existenziellen Aussagen der ausgestellten Werke. Der Künstler stünde auch zum Gespräch bereit… Ringsum Besucher mit Sektgläsern in den Händen. Man schaute bedeutungsschwer auf die Gemälde und nickte zu den Ausführungen. Auf allen 14 Bildern – kleine rosa Hasen auf grauem Untergrund. Sie unterschieden sich nur durch ihre Anzahl und hockten mal oben, mal unten auf der Leinwand.

Vielleicht fehlte uns der entsprechende Kunstsinn: Aber es wurde uns von Bild zu Bild schwieriger, das Lachen zu verkneifen. Eine gewichtige Aussage konnten wir jedenfalls nicht entdecken. Um das erbetene Votum im Gästebuch drückten wir uns höflichkeitshalber… Mit welcher Eitelkeit, welcher Großspurigkeit „verkaufen“ wir Menschen mitunter unsere Werke, nehmen wir uns in völlig überhöhtem Maße wichtig!

Wie viel anders doch Gott! Er legt und stellt seine großen und kleinen Kunstwerke in die Welt. Sie sind einfach da und bedürfen keiner salbungsvollen Erklärung. Es genügen ein aufmerksamer Blick und ein waches Herz. Mit denen erschließen sie sich nahezu von selbst!

Gerade, weil sie uns nicht „untergejubelt“ werden wie bei der erwähnten Vernissage, lohnt es, nach ihnen zu schauen, sie auf ihre „Botschaft“ hin zu befragen:

Ihr vordergründiger Sinn ist, uns Freude zu machen: „Freuet euch der schönen Erde, denn sie ist wohl wert der Freud! O was hat für Herrlichkeiten unser Gott da ausgestreut!“

Sie wecken unser Staunen: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter!“ betet der Psalmist. (Ps. 104, 24) Sie beflügeln unsere Phantasie, weil sie uns auf neue, manchmal überraschende Gedanken bringen.

Und sie weisen über sich hinaus, erzählen Existenzielles über ihren Künstler, Gott. Philipp Spitta besingt das so: „Wenn am Schemel seiner Füße und am Thron schon solch ein Schein, o was muss an seinem Herzen erst für Glanz und Wonne sein!“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie – so erfreut und bestärkt - nach den Ferien wieder in Ihren Alltag gehen können!

Gabriele Führer


Bildnachweis: Gabriele Führer

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