Nachgedacht - April / Mai 2018

Der Frühling ist für mich die schönste Jahreszeit. Endlich können wir Kälte und graue Tage hinter uns lassen. Die dicken Kleidungsstücke wandern wieder in die Schränke. Leichter, luftiger und bunter wird die Kleidung.

Wenn ich im Sommer die abgeernteten Felder sehe, spüre ich bereits den Abschied von Wärme und Helligkeit. Den nächsten Winter kann ich dann bereits erahnen. Aber jetzt ist noch alles voller Hoffnung. Bäume, die gestern noch wie kahle Gerippe dastanden, bekommen ein zartes Grün. Wiesen werden wieder bunt. Wo man die Natur lässt, wachsen viele verschiedene Blumen. Erst langsam, dann immer schneller streben sie der Sonne entgegen. Überall summt und brummt es, geschäftig fliegen Insekten und Vögel hin und her. Vögel bauen Nester und schimpfen, wenn man sie dabei stört. Menschen sitzen wieder im Freien und genießen die Wärme der Sonne. Auch die Gesichter der Menschen, denen ich auf der Straße begegne, scheinen sich zu entspannen. Das eine oder andere Lächeln zeigt sich, wenn Blicke sich kreuzen. Auch der Pfarrer und Dichter Martin Behm hat es wohl so gefühlt. Und es hat ihm gefallen, denn sonst hätte er 1606 nicht dichten können: „Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt. / des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.“ Aber nicht nur die Menschen freuen sich. Auch die Tiere, so scheint es, fühlen, dass wieder eine besondere und schöne Zeit anbricht. Eine Zeit, die vieles verspricht und die Enttäuschungen noch nicht parat hält. „Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, / die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud“, schreibt Martin Behm in seinem Gedicht weiter. Ich spüre, wie seine Begeisterung für den Frühling sich ausdrücken musste. Es ist wie der Jubelruf in Psalm 104: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!“ Im Frühling, wenn noch alles frisch und neu ist, sehe ich diese Werke besonders. Aber nicht nur in der Natur ist alles neu und hoffnungsvoll gestimmt.
Im Frühling liegt Pfingsten. Das Fest, das als Geburtstag der Kirche gilt. Eine neue Gemeinschaft, erfüllt vom Heiligen Geist, entsteht. Ab da haben die Christen mit neuer Zuversicht nach vorne geschaut.
Das Gedicht von Martin Behm steht als Nr. 501 in unserem Gesangbuch. Vielleicht schlagen Sie das Gesangbuch einfach einmal auf und fangen an zu singen. Eine herrliche Zeit in Gottes neu erblühender Schöpfung und ein schönes Pfingstfest im lieblichen Mai wünsche ich Ihnen.

Stefan Hirschberg


Bildquelle: Pexels, red-plant-spring-flower

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