Nachgedacht - Februar / März 2018

Säen und warten

Leben wächst im Verborgenen und wird groß zu seiner Zeit. Jetzt, im Februar, geschieht es manchmal: Auf einmal strahlt ein ganzes Tal in gelber Pracht. Die Winterlinge zeigen sich.

Unbemerkt sind sie unter der Erde gewachsen.
Glauben wächst im Verborgenen und wird groß zu seiner Zeit. „Ich lasse mich taufen“, sagt ein Abiturient seiner Familie. Das stößt auf Irritationen und Unverständnis. Niemand ahnte, was in dem jungen Mann schon länger gewachsen ist.
So wie das Leben und so wie der Glaube ist auch das Reich Gottes. Nur stärker und stärkender. Im Evangelium für Sexagesimae sagt Jesus: „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht, wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, erst den Halm, dann die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre.“
Der Bauer tut das Nötige. Er bereitet den Boden vor und sät. Dann gibt er alles aus der Hand. Es geht nicht anders. Wenn er den Samen behält, aus Angst, er könne verloren gehen, wächst nichts. Wenn er an den Keimen zieht, um das Wachstum zu beschleunigen, zerstört er alles.
Er braucht Vertrauen und Geduld. Er muss darauf vertrauen, dass Wachstum im Verborgenen geschieht. Dass man nichts sieht, eine ganze Weile. Und dann, plötzlich: zartes Grün.
So ist es mit dem Reich Gottes, mit unserer Gemeinde, mit der Kirche. Es geht darum, zu säen und zu warten. Gewissenhaft zu tun, was unsere Sache ist und Gott alles andere zu überlassen. Unsere Sache ist es, vom Glauben an Christus und seiner heilenden Wirkung zu erzählen.
Glaube aber ist kein Lernstoff, der heute gelehrt und morgen abgefragt wird. Hoffnung können wir nicht erzeugen. Auf das Entscheidende können wir nur warten.
Das ist schwer. Manche Eltern leiden daran. Sie wollen Vorbilder im Christsein sein, aber die Kinder gehen andere Wege. Das belastet. Aber: Wer weiß? Es ist ausgesät: Gebete, die die Mutter am Bett gesprochen hat. Der Kindertreff mit den Bibelgeschichten, die sie dort erlebt haben.
Samenkörner, die ausgestreut sind. Ob sie aufgehen? Wann? Wer will das vorhersagen? Das Gleichnis ist Ermutigung für alle, die fragen: „Habe ich genug getan?“
Gott schenke uns beides: die Freude am reichlichen Säen und die Geduld, warten zu können – bis grüne Spitzen die dunkle Erde durchbrechen.

Ihr
Christoph Herbst


Bildnachweis: Erwin Meier, wikimedia commons, CC BY-SA 3.0

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