Nachgedacht - Dezember 2017 / Januar 2018

Josef - der Mann im Hintergrund

Natürlich ist uns die Weihnachtsgeschichte geläufig und darin heißt es bekanntlich: Maria und Josef und das Kind in der Krippe. Aber was wissen wir eigentlich von Josef?

Nicht viel mehr, als dass er Zimmermann war und mit Maria wegen der Volkszählung nach Bethlehem ging. Nach der Weihnachtsgeschichte und der Flucht nach Ägypten findet er noch einmal Erwähnung in der Bibel, als die Eltern den zwölfjährigen Jesus im Tempel suchen.
Josef musste zunächst einmal die Rolle als Verlobter einer jungen schwangeren Frau annehmen, deren Kind nicht von ihm gezeugt ist. Zwar ist ihm ein Engel im Traum erschienen, der ihm eine Botschaft Gottes überbrachte, und sozusagen eine Erklärung der Umstände gegeben hat. Aber wie er sich dabei gefühlt hat, wissen wir nicht.
Josef ist bei der Geburt Christi oft in die zweite Reihe verbannt. Er hält Wache, er schürt das wärmende Feuer, er kocht sogar. Er ist einfach dabei, schweigend und ohne viel Aufhebens darum tut er das, was gerade zu tun ist, er kümmert sich um seine Familie.
Diese Rolle des Josef können Sie verfolgen, wenn Sie durch Erfurts Kirchen gehen. In mindestens drei von ihnen gibt es solche Darstellungen, wie Sie sie auf dem heutigen Titelbild sehen. Das stammt aus der Predigerkirche, die anderen beiden befinden sich im Dom und in der Reglerkirche (nur der Vollständigkeit halber).
Ich liebe dieses Bild sehr, nicht nur weil es künstlerisch schön gestaltet ist, sondern weil uns Josef darin so nahe kommt durch die Alltäglichkeit seines Tuns. Maria wirkt irgendwie entrückt, vielleicht kann sie das Geschehen immer noch nicht fassen. Aber Josef wirkt ganz bodenständig, er kocht, und ich nehme an, der Brei im Töpfchen ist lecker, denn die Katze schleicht sich von hinten an, um davon zu naschen.
Wenn man über Josef nachdenkt, dass er aus seiner Rolle im Hintergrund kein Drama macht, sondern sie einfach ausfüllt, so spricht diese Haltung eine klare, unüberhörbare Sprache. Er tut, was notwendig ist, ohne viel zu reden. Er ist stark im Glauben, weil er ein waches Ohr für Gott hat und zupackt, wenn es von ihm verlangt wird. Das zeigt sich auch darin, dass er sich ohne Zögern, nur auf den Befehl Gottes hin, auf die Flucht nach Ägypten macht, um seine Familie vor den Soldaten des Herodes in Sicherheit zu bringen.
Was können wir uns von dieser Haltung mitnehmen? Den Gedanken und den Mut, einfach im Alltag das zu tun, was gerade dran ist, und sich nicht in fruchtlose Träume nach einem anderen, dem „eigentlichen“ Leben zu flüchten, das erst richtig Sinn machen würde, aber natürlich unerreichbar ist.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen in Ihrem ganz normalen Leben

Elsemarie Schaarschmidt
Kirchvorsteherin


Die Bild wurde von Elsemarie Schaarschmidt aufgenommen.