Nachgedacht - April/Mai 2017

„Nachgedacht“ habe ich in den letzten Monaten immer wieder: „Das letzte Weihnachten in Chemnitz … das letzte Silvesterkonzert …“ Wahrscheinlich ist das nicht zu vermeiden.

1995 bin ich in der Schloßkirche vom Bischof als Superintendent eingeführt worden. Schon damals habe ich diese Kirche als berauschend schön empfunden. Und im Laufe der Jahre ist meine Freude an diesem würdigen, schönen Kirchenraum noch größer geworden. Und jetzt beschleicht mich Wehmut: In so einer Kirche werde ich nicht wieder etwas zu sagen haben.
Damals lag alles vor mir und ich habe „vorgedacht“. Jetzt denke ich „nach“. In den 22 Jahren hat sich einiges verändert. Die Sanierung der Schloßkirche ist fast fertig. Die Schloßkirchgemeinde hat sich mit der St.-Petri-Lukas-Kirchgemeinde zur St.-Petri-Schloß-Kirchgemeinde vereinigt. Auch die Petrikirche ist in einem wunderbaren Zustand. In beiden Kirchen klingen bedeutende Orgeln. Und vor allem, in beiden Kirchen versammelt sich die Gemeinde zum Gottesdienst. – Als Superintendent habe ich manches sehr gerne und mit Freude gemacht; und manchmal musste ich mich notgedrungen fügen und überwinden. Zu den Gottesdiensten aber musste ich mich nie „notgedrungen“ überwinden. Es war erhebend, vor der Gemeinde zu stehen und zu sagen: „Der Herr sei mit euch!“ Und die Antwort zu hören: „Und mit deinem Geiste!“ Selbstverständlich aber war das nie, sondern immer in großem Respekt vor der Gemeinde und vor IHM, manchmal mit Zittern und Zagen.
Und nun „denke ich nach“, was ich mit meinen kleinen Mitteln erreicht habe. Ich erwarte nicht, dass Menschen, die mir zugehört haben, alles das, was ich gesagt habe, auch so sehen und sagen und machen wie ich. Das wäre vermessen, eitel, dumm. Ich hoffe aber, dass ich immer wieder auf eigene Gedanken gebracht und zu eigenem Handeln und Leben als Christ angeregt habe.
Und ich hoffe, dass Sie mir bei aller meiner Art, Eigenart und Unart abspüren konnten, dass der christliche Glaube, so wie ich ihn verstehe, eine gute, positive, dem Leben zugewandte Sache ist. Denn über allem, was im Großen und im Kleinen des Lebens schwierig und manchmal vielleicht sogar katastrophal ist, steht und klingt doch das, was am schönsten Fest des Jahres ausgerufen wird: „Siehe, ich verkündige euch große Freude!“ Und wenn ich einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte, dass diese große Freude der Zuwendung Gottes ab und zu in Ihr Leben gekommen ist, dann kann ich mit Freude über meine Zeit in Chemnitz „nachdenken“.


Es grüßt herzlich
Andreas Conzendorf
nachdenklicher Superintendent

 


Das Bild stammt von Wikimedia Commons, Autor Kolossos, CC-BY-SA-2.5.

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