Nachgedacht - Dezember 2016/Januar 2017

„Einen besinnlichen Advent.“ Jedes Jahr gibt es jemanden, der mir dies wünscht. Dabei ist es dieses Jahr noch schwerer als sonst, in Advents- und Weihnachtsstimmung zu kommen.

Sicher, bald werden die Lichter der Schwibbögen in den Fenstern leuchten. Die Leuchtkreuze an der Schloßkirche strahlen dann ihr Licht wieder über Chemnitz aus. Auf dem Weihnachtsmarkt breitet sich der von Kindesbeinen an vertraute Duft von Gegrilltem, Glühwein und süßen Leckereien aus. Doch dieses Jahr ist etwas anders. Entgegen einer These, dass die Gewalt insgesamt abnehme, scheint sie immer mehr zuzunehmen. Die Kriege in Irak und Syrien. Die Bombardierungen der Zivilbevölkerung dort mit vielen Verletzten, Toten und für immer für ihr Leben gezeichneten Menschen, darunter viele Kinder. Terrorattacken überall auf der Welt und auch in Deutschland. Das Gefühl einer ständigen, nicht greifbaren Bedrohung. Da fällt es schwer, besinnlich zu werden. Aber zu der Zeit Jesu war es auch nicht viel anders – nur wurden andere Methoden zur Gewaltausübung angewendet. Die römische Besatzungsmacht war in der Wahl ihrer Methoden nicht zimperlich. Genau in diese rohe und gewalttätige Welt ist der Heiland hineingeboren. In einer schäbigen Behausung, eigentlich gerade gut genug für Tiere. Am Rand der menschlichen Gemeinschaft, unter normalen Umständen nicht wahrgenommen. Jesus Christus hat nicht gewartet, dass die Umstände besser werden. Da hätte er lange warten können. Er ist zu uns in unsere gewalttätige Welt gekommen und hat mit uns unsere Erfahrungen geteilt. Gut, dass es Weihnachten gibt und uns jedes Jahr neu daran erinnert, wie nahe Gott uns kommt. Nicht weit weg im Himmel, unberührt von unserem Schicksal, sondern mitten unter uns. Die Advents- und Weihnachtszeit ist deshalb jedes Jahr eine schöne Zeit, in der ich mich an all das immer wieder neu erinnern kann. Und immer wieder neu fühlen kann, wie es war, damals, als ich selber noch ein Kind gewesen bin. Jetzt werde ich doch besinnlich. Ich wünsche auch Ihnen allen trotz allem eine schöne und besinnliche Advents- und Weihnachtszeit.

Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Jahr 2017!

Stefan Hirschberg


Das Bild wurde fotografiert von Elsemarie Schaarschmidt.

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